Gemeinsames Gedenken mit über 450 Menschen

Am Sonntag, dem 9.11. hat in Westerstede wieder der Gedenkgang zum Jahrestag der Reichspogromnacht stattgefunden. Mit diesem wird jährlich an die Gräueltaten der NS-Zeit, welche in der Reichspogromnacht eine neue Dimension erreicht hatten, und an jüdisches Leben in Westerstede während dieser Zeit erinnert.

Neben der Erinnerung liegt dabei immer auch die Mahnung für die Gegenwart und die Reflektion für die Zukunft im Fokus der Veranstaltung. So führte Linn Allhoff in der Eröffnungsrede am Rathaus der Stadt Westerstede aus: „Heute erinnern wir an die Nacht des 9. November, an das Leid, das ihr folgte – und zugleich an unsere Verantwortung in der Gegenwart. Gedenken heißt nicht nur zurückblicken. Gedenken heißt handeln – damit Hass nie wieder zur Normalität wird und jüdisches Leben in Deutschland eine sichere Zukunft hat.“ Die rege Teilnahme hat dabei erneut gezeigt, wie wichtig dieses Anliegen auch in der aktuellen Zeit hat. 

In diesem Jahr wurde der Gedenkgang mit zwei weiteren Ereignissen im Rahmen der Erinnerungskultur verknüpft. So wurde während der Veranstaltung an der heutigen Stadtbibliothek ein Erinnerungszeichen enthüllt. Dieses soll an die jüdische Familie Polak, die in diesem Haus lebte, erinnern und ihre Geschichte in der Öffentlichkeit sichtbarer machen. Die Familie Polak war vor der NS-Zeit stark in die Westersteder Bevölkerung eingebunden. Sie gehörten zu Nachbarn, Freunden, Mitschülern, Kollegen; Teil des täglichen Lebens in Westerstede. Dann mussten sie flüchten, wurden vertrieben, deportiert, ermordet. Das Haus, indem sich heute die Stadtbibliothek befindet, musste bei einer Zwangsversteigerung deutlich unter Wert verkauft werden. Neben der bereits dort platzierten Gedenktafel soll nun das platzierte Erinnerungszeichen in Form von einem Stelen-Ensemble das Schicksal der Mitglieder der Familie Polak präsent halten. In den nächsten Jahren sollen weitere Erinnerungszeichen aufgestellt werden, um an weitere jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger Westerstedes, die Opfer des Nationalsozialismus wurden, zu erinnern.

© Initiative „Gegen das Vergessen“

“Wir wollen erinnern. Bewahren. Aufklären. Denn das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist nicht nur eine Frage des historischen Interesses – es ist eine Frage von Respekt, Menschlichkeit und Verantwortung.”, erklärte Lasse Pistoor während seiner Rede vor der Stadtbücherei. 

Die Initiative „Gegen das Vergessen“, die den Gedenkgang organisiert hat, bedankt sich besonders bei den verschiedenen Einzelpersonen, Organisationen und Gremien, die dieses wichtige Element der Erinnerung durch ihre tatkräftige Arbeit und finanzielle Unterstützung möglich gemacht haben. Nelli Berkle erklärt in ihrer Rede am Gymnasium Westerstede “Die Menschen, die damals ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden, haben unvorstellbares Leid erfahren. Ihre Schicksale zeigen uns, wohin Hass und Gleichgültigkeit führen können.” 

Außerdem gab es im Anschluss an den Gedenkgang die Möglichkeit, die Ausstellung „Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte“, welche aktuell im Gymnasium Westerstede gezeigt wird, zu besuchen. Die Wanderausstellung des Anne-Frank-Zentrum Berlin dokumentiert nicht nur die historischen Aspekte des Lebens von Anne Frank, sondern ermöglicht auch ihre Werte und ihre Botschaft der Hoffnung in die Gegenwart zu übertragen. Die Ausstellung ist ein lebendiges Mahnmal für Toleranz, Demokratie und Menschenwürde. Diese Ausstellung ist für alle Interessierten im gesamten November sonntags von 10:00 bis 15:00 Uhr kostenfrei geöffnet. Auch hier bedankt sich die Initiative „Gegen das Vergessen“ bei den vielen Kooperationspartner:innen und Unterstützer:innen, die diese Ausstellung ermöglichen.  

Die Initiative bedankt sich bei allen Teilnehmenden und Unterstützenden, sowie für die großartige Unterstützung der Polizei. 

Weitere Informationen zur Initiative “Gegen das Vergessen und zur Ausstellung und dem zugehörigen Rahmenprogramm sind unter www.gegen-das-vergessen-wst.de zu finden. 

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